Interviews

Interview Nicole Stroj

  Nicole Stroj - Head of Innovation

Raiffeisen Bank International

"Mit Startups zu arbeiten und Startups zu screenen
ist so spannend, um zu sehen, wofür es bereits Lösungen gibt."
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1. Starten wir doch mit deinem Background! Erzähle doch bitte darüber wie du zu Innovation Management bei der RBI gefunden hast!
Studiert habe ich ursprünglich Jus, bin aber schlussendlich bei den ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) in der Strategiearbeit gelandet. "Strategie" beschreibt somit auch meinen Background sehr gut. Bei der ÖBB bedeutete Strategie, mich mit neuen Technologien, sowie Businessmodellen zu beschäftigen und diese auch für unser Unternehmen zu entwickeln.

Weiters gehörten Forschungsprojekte im Bereich Elektromobilität zu meinem Aufgabengebiet - Innovationsmanagement war hier natürlich immer mit dabei. Sehr viel ist hier auch „Learning by Doing“ gewesen.Die größte Lernkurve habe ich durch iMobility GmbH erleben dürfen. iMobility war ein ÖBB internes Unternehmen, das eine Mobilitätsplattform für ganz Österreich gebaut hat. Dieses habe ich mitgegründet und bin dort in der Geschäftsführung gewesen.

Seit einem Jahr bin ich nun bei der Raiffeisen Bank International für Innovationsmanagement zuständig. Das Innnovationsmanagement habe ich im Grunde von Null weg aufgebaut. Seit damals sind wir von 4 auf 18 Mitarbeiter (inklusive Studenten) gewachsen.

2. Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?
Im Unternehmen sind wir im Head Office angesiedelt und agieren als der Hub für Innovation in der Raiffeisenbank International. In unserer Innovationsstrategie gibt es 4 große Projekte die ich im letzten Jahr gestartet habe. Wir haben eigentlich gleich am Anfang mit einem Startup Accelerator begonnen, dem Elevator Lab. Erst danach haben wir unsere Innovationsstrategie im Detail definiert, um festzustellen, was wir machen wollen und welche Methoden und Ansätze es braucht. Dann haben wir auch direkt noch ein Intrapreneurship Programm auf die Beine gestellt und im Herbst sofort pilotiert.

Dieses Jahr haben wir dann noch den Venture Capital Fond gründet und jetzt arbeiten wir im Moment an einem Innovation Lab. Das Innovation Lab soll eine extern ausgelagerte Unit werden, die nicht so eng mit der Kernorganisation zusammenarbeitet. Hier spielen wir auch mit der Idee des Company Buildings und ein paar anderen Dingen. Wir sind aber keine Stelle, wo jeder etwas hinmelden muss, wenn er an etwas Innovativem arbeiten möchte. Wir helfen mit Design Thinking und Lean Startup Workshops, dabei neue Methoden zu überlegen, neue Projekte zu starten.

3. Zeichne doch bitte, was dir spontan zu “wie kommt das Neue in die Welt” einfällt? Auf Deutsch - wie entsteht Innovation?
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4. Was hast du gezeichnet, und warum?
Das Neue entsteht für mich in einer schönen Umgebung, einer sicheren Umgebung. Dort wo sich Teams und Menschen sicher fühlen und frei sagen können, was sie denken. Wo sie sich frei austauschen können. Es ist ein Ort, wo aber auch ein wenig Wind weht - also man spürt, dass das Klima von außen vielleicht rauer ist, damit man sich angetrieben fühlt.
Es gibt Studien dazu - unter anderem von Google - wie Teams effektiv sein können. Die psychologische Sicherheit ist dabei ein ganz, ganz großer Teil. Genau das versuchen wir auch gerade bei Startup Kooperationen und unseren anderen Innovation-Projekten einzuführen. Wir versuchen Räume für Innovation, Zeit und Sicherheit bereit zu stellen. Alles steht dabei unter der Glocke, Dinge konsequenzfrei auszuprobieren. Kein Vorgesetzter setzt andere Prioritäten. Auch in der Kooperation mit den Startups schauen wir darauf, dass wir einen Prozess finden, durch den man einfach mal losstarten kann, anstatt lange planen zu müssen.

5. Was ist es, das dich an Innovation in deinem Unternehmen fasziniert?
Der dynamische Markt. In Osteuropa gibt es einerseits politische Instabilität, andererseits tut sich technologisch einfach mehr. Da ist die Gesetzgebung teilweise auch anders und öffnet mehr Möglichkeiten. Die Kraft, die Leute dort an den Tag legen, ist sensationell. Die Zielstrebigkeit und die Begeisterung, die wir erleben, ist genau das, das uns hilft. Der Financial Services Bereich ist etwas Neues für mich, was mich gereizt hat. Hier ist viel im Laufen, der Markt ist zwar hoch reguliert aber eigentlich ein rein digitales Geschäft, alles ist ja schlussendlich "non-tangible".

6. Welchen Technologie Trend würdest du als sehr vielversprechend beschreiben?
Ich denke, es gibt 2 Themen, die signifikant sein werden. Blockchain ist eine Technologie, die alles verändern wird. Alle Use Cases, die wir uns jetzt ausdenken sind in 2 Jahren wahrscheinlich Schall und Rauch. Ich glaube, dass die Technologie unser Verhalten ändern wird, wenn es um den Umgang mit Identität und Verträgen geht. Das 2. Thema: Alles mit Künstlicher Intelligenz!

7. Wie eignest du dir Wissen über Innovation an?
Ich versuche zu lesen – das letzte Buch, das wirklich relevant war, war „The Startup Way“ von Eric Ries. Das beschreibt sehr gut, wie man die "Lean Startup" Methode in ein großes Unternehmen bringt. Auch durch viel Austausch mit unterschiedlichen Leuten in der Community. Ich versuche auf Konferenzen zu gehen und mich fortzubilden. Gerade letzte Woche waren wir für 2 Tage in Berlin für Meetings mit Company Buildern, und Innovation Labs aus der Financial Industry.

8. Wo begebt ihr euch auf die Suche nach Innovation? Direkt im Unternehmen mit Hilfe der Mitarbeiter, von außen durch Inspirationen, Workshops, Seminare oder ganz woanders?

Wir versuchen die Mitarbeiter anzuregen auch Themen, mit denen sie sich privat beschäftigen, einzubringen. Mit Startups zu arbeiten und Startups zu screenen ist so spannend, um zu sehen, wofür es bereits Lösungen gibt. Das macht uns auf Probleme aufmerksam. Vor kurzem haben wir auch die "Lean Startup Company" für einen Workshop mit unseren CEOs eingeladen. Wir versuchen uns selbst, aber auch parallel unser Top Management, auszubilden. Wir reden auch viel mit Beratern, wie auch viable, wodurch man auf neue Methoden kommt, die man für bestimmte Themen einsetzen könnte.

9. Gibt es ein Unternehmen, ein Tool, einen Service, das/den du als sehr innovativ beschreiben würdest?
Hier fällt mir natürlich gleich ein Financial Services Startup ein: Revolut. Es fasziniert mich so enorm, wegen der unglaublich nutzerfreundlichen Ausrichtung und den einfachen Marketingkampagnen, mit denen sie so rasant gewachsen sind. Das ist bewundernswert.
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